Die
Zusammenarbeit im Bereich Bildung bezog sich hauptsächlich auf den Kontakt
zwischen höheren und beruflichen Bildungseinrichtungen wie Instituten und
Fachschulen. – Das Kalugaer Staatliche Pädagogische Institut benannt nach K. E.
Ziolkowski knüpfte Verbindungen mit dem Lehrerbildungsinstitut in Meiningen,
die Kalugaer Zweigstelle des Moskauer Staatlichen Technischen Bauman-Instituts
mit dem Technischen Institut in Ilmenau. Auch die Fachschulen beider Regionen
arbeiteten zusammen.
Dozenten
des MWTU nahmen an wissenschaftlichen Konferenzen mit ihren deutschen Kollegen
teil; insbesondere die Kooperation im Bereich der elektronischen
Datenverarbeitung (heute als Computertechnik bekannt) war für die Fachleute aus
Kaluga von besonderem Nutzen. Am Pädagogischen Institut studierten deutsche
Studenten, die angehende Lehrkräfte für Russisch wurden. Darüber hinaus nahmen
Studierende beider Universitäten jährlich an internationalen studentischen
Baubrigaden (ССО) teil, die sowohl in Suhl
als auch in der Region Kaluga tätig waren. – Siehe Dokumente 65–72.
Zum Bereich Bildung gehören auch regionale Schülerreisen (außerhalb des „Freundschaftszug“-Programms, das im nächsten Abschnitt behandelt wird). Die Schüler wurden in Pionierlagern untergebracht und erhielten ein abwechslungsreiches Kulturprogramm. – Siehe Dokumente 73–76.
Kulturelle
Verbindungen waren äußerst vielfältig. Schon im ersten Jahresplan der Zusammenarbeit
zwischen Kaluga und Suhl (1970) wurden Bereiche wie der Austausch von
Amateurkunstgruppen sowie Kunstausstellungen von Künstlern und
Kinderzeichnungen festgelegt.
Im
November 1977 fanden in der Region Suhl Auftritte des Tanzensembles „Rovesnik“
der Kalugaer Kultur- und Bildungsschule statt. – Siehe Dokument 77. Es ist
erwähnenswert, dass die deutschen Kollegen die tänzerische Vorbereitung der
kalugaer Künstler bewunderten. – Siehe Dokumente 78, 79. Eine aktive
Zusammenarbeit gab es auch im Bereich der Musik. – Siehe Dokumente 80–83.
Mehrfach
fanden gegenseitige Besuche von Schriftstellern und Dichtern beider Regionen
statt, die nicht nur in Berichten für das Parteikomitee, sondern auch in
zahlreichen Zeitungsartikeln dokumentiert wurden. – Siehe Dokument 84.
1982
wurde eine interessante gemeinsame Publikation der beiden Regionen
herausgegeben: die zweisprachige Anthologie „An den Ufern“. Sie enthält Essays über Kaluga und Suhl, zahlreiche
Landschaftsfotografien sowie Gedichte deutscher Autoren im Original mit
Übersetzungen von kalugaer Dichtern wie A. Avdonin und W. Wolkow. Die Gedichte
sind mit Reproduktionen von Gemälden moderner Künstler der Region Suhl
illustriert. – Die Dominanz der deutschsprachigen Literatur erklärt sich
dadurch, dass die Herausgabe von der Redaktion der Zeitung „Freies Wort“
initiiert wurde. (An den Ufern. Anthologie. Herausgeber: Schriftstellerverband der DDR (Bezirk
Suhl), Schriftstellerverband der Region Kaluga. Suhl: Druckerei der Zeitung
„Freies Wort“, 1982. – 122 S.). – Für Interessierte: Ein solches Exemplar
befindet sich in der Bibliothek unseres Archivs.
Auch
der Austausch von Kunstausstellungen war lebhaft und gefragt, da die Exponate
auch ohne Sprachkenntnisse verständlich waren. Über die Kontakte im Bereich der
Kunst während des ersten Jahrzehnts der Freundschaft berichtet ein
ausführliches Essay des bekannten sowjetischen Malers I. Pavlishak. – Siehe
Dokument 85.
Ohne Übertreibung lässt sich sagen, dass die Ausstellung „Tage der Kultur der DDR in der UdSSR“, die zum 30. Jahrestag der Gründung der DDR im Künstlerhaus stattfand, große Beliebtheit bei der Bevölkerung von Kaluga genoss. Die Ausstellung umfasste nicht nur eine Foto- und Kunstausstellung, sondern zeigte auch Produkte der Leichtindustrie aus der Region Suhl – Waren des täglichen Bedarfs. – Siehe Dokumente 86–89.
Zusammenfassend möchten wir eine „kurze“
Liste der zahlreichen Veranstaltungen und Ausstellungen vorstellen, die während
der Jahre der Freundschaft stattfanden:
1974,
Oktober: Besuch einer Delegation aus Kaluga in der Region Suhl anlässlich des
25. Jahrestags der Gründung der DDR. Auftritt des Instrumentalensembles
„Kaluschanka“.
1975,
Mai: Ausstellung der Kalugaer Künstler im Stadtmuseum Meiningen, organisiert im
Rahmen der „Tage
der Kultur und Freundschaft der UdSSR mit der DDR“. Eine Ausstellung „UdSSR – Heimat der Kosmonauten“ wurde in Suhl gezeigt. Der
Schulsternwarte in Suhl wurde der Name K. E. Ziolkowski verliehen.
1975,
September: Ausstellung „Deutsches Spielzeug“ aus dem Spielzeugmuseum Sonneberg
im Kunstmuseum Kaluga.
1976,
Mai: Ausstellung der Künstler aus der Region Suhl im Kunstmuseum Kaluga.
1977,
Oktober: Fotoausstellung „Kalugaer Region in 60 Jahren Sowjetmacht“ in Suhl.
1977,
November: Ausstellung „Meinem besten Freund“ mit Exponaten aus Suhl im Kalugaer
Heimatmuseum.
1978,
Januar: Besuch der Künstler des Kalugaer Dramatheaters in Suhl.
1979,
Januar: Besuch einer Delegation des Theaters Meiningen in Kaluga.
1979,
Oktober: Ausstellung „Bezirk Suhl in 30 Jahren DDR“ im neuen Künstlerhaus
Kaluga.
1980,
November: Premiere des Stücks „Letzten Sommer in Tschulimsk“ von A. Wampilow im
Theater Meiningen.
1982,
Dezember: Premiere von Schillers Drama „Don Carlos“ im Kalugaer Theater.
1989, Januar: Auftritte des Kalugaer Dramatheaters in Suhl.
Sportliche
Kontakte:
Es gab regionale Wettkämpfe, etwa in der Leichtathletik und im Schach. Fußball
erfreute sich jedoch besonderer Beliebtheit. So besuchte 1975 die Mannschaft „Motor“ aus der Region Suhl Kaluga
und spielte ein Freundschaftsspiel gegen die Mannschaft „Lokomotive“. – Siehe Dokumente 93–94.
1977
besuchte die Fußballmannschaft des Ludinowoer Lokomotivwerks die Stadt
Meiningen, wo das Spiel gegen die Mannschaft des dortigen Lokomotivwerks mit
einem Unentschieden (2:2) endete. – Siehe Dokument 95.
Leider
fehlen in unserem Archiv Fotografien der sportlichen Begegnungen. Es gibt
jedoch Aufnahmen der begeisterten deutschen Fans. – Siehe Dokument 96.